Nachdem wir einen kleinen Umweg über den Kongo (D.R.) gemacht hatten, sind wir in Lilongwe etwa eine Stunde später als geplant gelandet. Da zurzeit Regenzeit ist war es wenigstens nicht allzu heiß an dem Tag und ich konnte mich langsam an das Klima gewöhnen. Uns haben dann 2 nette Damen von dem Arbeitgeber meines Freundes abgeholt und uns zu ihm gefahren. Die malawische Gastfreundschaft ist wirklich überaus großzügig und so wurde ich dann auch gleich in die Stadt gefahren um mir alles zu zeigen. Dort durfte ich dann auch prompt meinen ersten kleinen Kulturschock erleben. Auf dem lokalen Markt von Lilongwe einzukaufen ist wirklich ein Abenteuer wenn man gerade als Weißer eingereist ist. Umgeben von lauter Malawiern kommt man sich vor wie auf dem Zirkus bei dem man selber die Hauptattraktion ist. Trotz der Hauptstadt sind Weiße hier in der Öffentlichkeit eher weniger anzutreffen. Der Markt ist mit deutschen Verhältnissen überhaupt nicht vergleichbar. Vieles wird einfach auf dem Boden auf Tüchern abgelegt und kleine Kinder tragen die Einkaufstüten für einen herum um dann am Ende dafür etwa 20 Cent zu bekommen. Wenn man als Weißer etwas kaufen will wird einem von den Straßenhändlern der doppelte Preis genannt. Sowieso findet das Meiste auf der Straße statt, so auch der Geldwechsel. Die Kurse sind viel besser als in der Bank und die Polizei wird von den Dealern geschmiert sodass sie einfach wegschaut. Polizei und Staatsmacht ist eh ein Kapitel für sich. Der Präsident lässt sich zwar im einzigen Staatsfernsehsender glanzvoll darstellen und auch eine Paradestraße mit einem Monument fehlt hier nicht aber Malawi an sich ist politisch sehr stabil, was das Ganze hier um einiges sicherer macht.
Ich selber lebe hier bei einem deutschen Optiker der vor einigen Jahren nach Malawi kam und hier sein eigenes Geschäft aufgezogen hat. An den Lebensstil muss ich mich erst noch gewöhnen. Auf den ersten Blick denkt man dass hier noch Kolonialismus herrscht. Viele haben mehrere Angestellte zuhause, die die ganze Hausarbeit und so weiter machen. Allerdings beruht vieles auch auf Gegenseitigkeit und diese Leute haben dadurch einen Job und können so ihre Familie ernähren. Mein Vermieter beispielsweise bezahlt den Kindern des Angestellten auch noch die private Schule (ziemlich hohes Schulgeld das sich nur die wenigsten leisten können) Die Häuser sind äußerst großzügig ausgelegt und mit hohen Mauern mit Stacheldraht umgeben. Alles natürlich schön grün zur Regenzeit. Nachts ist immer ein Nachtwächter vor der Tür der im schlimmsten Fall mit der Machete losgeht. Nun ja eingebrochen wurde zwar noch nie aber Sicherheit muss wohl sein. Ich selbst habe nicht das Gefühl das hier Kriminalität im Sinne von Gewalt sehr groß ist- trotz großer Armut.
Am Tag nach der Ankunft habe ich auch sofort mit Arbeiten begonnen und ich bin regelrecht begeistert von dem Unternehmen bei dem ich arbeite. Treecrops heißt es und hat sich auf den Export von Rohwaren wie Baobab-Pulver und Ölen für die Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie spezialisiert. Es ist auch so eine Art lokales Armutsbekämpfungsprogramm. Die Leute sind super nett und die allgemeine Arbeitsstimmung ist ebenfalls sehr angenehm.
Gestern abend war ein Volleyballturnier und ich war auch schon ein paar Mal in einer gemütlichen malawischen Bar (es gibt hier übrigens fast nur Carlsberg als Bier zu trinken).
Ganz besonders spannend ist das örtliche Nahverkehrssystem. Nun ja es besteht im Wesentlichen aus schrottreifen Minibussen in denen viel zu viele Leute sitzen. Die Hauptstraßen sind zwar ganz gut ausgebaut aber auf den Nebenstraßen kann man sich in den Schlaglöchern verstecken. Die meisten Leute laufen sowieso oder fahren Fahrrad.
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